Naturwachtblätter


Verbandsmitteilungen Januar 2001

Vorwort

Neues vom Vorstand

Europäisches Ranger Projekt 2000

Vorstellung des Juniorranger-Abzeichens des BR Spreewald

Welche Rolle spielen die Ranger im weltweiten Maßstab?

GNL - ein Beruf zum Knutschen?

"Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt"

Impressum


Liebe Mitglieder des Bundesverbandes, KollegInnen, Freunde und Förderer,

als erstes möchte ich den zahlreichen aktiven Mitgliedern herzlich danken, die mit ihren schriftlichen Beiträgen dafür gesorgt haben, dass die Naturwachtblätter ihrem Anspruch, deutschlandweit interessant zu sein, sehr nahe kommen. Beiträge aus verschiedenen Bundesländern sorgen für ein lebendiges Bild von der Arbeit der Naturwacht und zeigen auch, wie viel Unterschiedliches es in Deutschland gibt. In Briefen klingen auch durchaus pessimistische Töne an, die den in unseren sechzehn Ländern unterschiedlich hoch angesehenen Wert von Naturschutz und Schutzgebieten deutlich machen. Es ist ohne Frage so: mit dem Etappensieg der bundesweiten Fortbildungsverordnung ist noch längst nicht der Siegeszug des Berufes verbunden, im Gegenteil, die Finanzierung von hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuern wird in dieser Zeit der knappen Kassen immer wieder zur Diskussion gestellt nach dem Motto "Können wir uns so viel teuren Naturschutz überhaupt leisten?" Dem müssen wir uns immer wieder stellen und  durch unsere Arbeit draußen, mit den und für die Menschen in den Schutzgebieten überzeugen. Das geht.

Aber es bedeutet vor allem, diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen eine andere Position zu Natur- und Umweltschutz beziehen als wir selbst, nicht als potentielle Feinde zu betrachten, sondern als Diskussionspartner, die man mit ihren Bedenken und Argumenten so ernst nehmen muss, wie wir es für uns selbst auch erwarten.

Nur dann wird sich ein vertrauensvoller Dialog entwickeln, der dann auch zu für beide Seiten befriedigenden Lösungen führt. Das sind keine Tagesleistungen, sondern Anstrengungen über Jahre, mit Rückschlägen und Fortschritten, aber einen anderen Weg sehe ich nicht.

Dabei ist eines überaus wichtig: die Einbeziehung und Bündelung von Kräften, die mit uns in die gleiche Richtung streben. Das sind vor allen anderen die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die oftmals meinen, auf verlorenem Posten zu stehen. Bei uns im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat es seit der Einrichtung des Schutzgebietes enge Verbindungen zwischen den Ehren- und den Hauptamtlichen gegeben, und diese kontinuierliche Zusammenarbeit zahlt sich aus für uns.

Ein regelmäßig stattfindender gemeinsamer Arbeitskreis Artenschutz sorgt für gegenseitige Information, Fortbildung und die Koordinierung der fachlichen Arbeit. Dabei ist ein Vertrauensverhältnis entstanden, wie ich es für notwendig halte, wenn wir erfolgreich zusammenarbeiten wollen.

Es bleibt nach wie vor ein großes Problem, für diejenigen, die die Fortbildung zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger erfolgreich absolviert haben, auch Arbeitsstellen ihres Profils zu finden. Dabei ist es eine Tatsache, dass der einmal vom WWF-Deutschland im Rahmen einer Studie ermittelte Bedarf an hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuern noch mindestens 1500 Stellen umfasst. Diesem dringenden Bedarf steht nicht nur Ebbe in den öffentlichen Kassen, sondern der fehlende politische Wille gegenüber, das ist ganz klar zu erkennen.

Zwar hat unser Umweltminister Trittin die vom Bundesverband verabschiedete Resolution mit der Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung der Verpflichtung des Staates zur Sorge für hauptamtliche Schutzgebietsbetreuung entgegengenommen, ob wir auch Gehör finden werden, ist nicht auszumachen.

Die Konsequenz kann nicht sein, zu verzagen und den Job zu wechseln. Unsere Bemühungen müssen weiter darauf gerichtet sein, uns eine Lobby und damit Gehör auf hoher politischer Ebene zu schaffen. Und dazu gehört neben der guten fachlichen Arbeit der Aufbau und die Pflege eines guten Images für den Beruf.

Für diese und weitere Aufgaben wünsche ich uns Kraft und Stehvermögen!

Beate Blahy (1. Vorsitzende)

 

Aus dem Verbandsleben


Neues vom Vorstand

Am 3. November 2000 traf sich der Vorstand des Bundesverbandes Naturwacht zu seiner 11. Sitzung, diesmal in Brodowin. Jürgen Holzhausen konnte nicht teilnehmen, er war erkrankt, aber per Telefon konnten wir doch ganz unkompliziert gemeinsame Beschlüsse abstimmen und die wichtigsten Informationen austauschen.

So wurde uns vom Finanzamt für die zurückliegenden Jahre die Gemeinnützigkeit bescheinigt, das ist gut zu wissen und unerlässlich für die Buchführung.

Einigkeit herrschte bei der Feststellung, dass sich die Beteiligung der Mitglieder an der Gestaltung der "Naturwachtblätter" deutlich verstärkt hat, man merkt es auch dieser Ausgabe an.

Diesen positiven Trend wollen wir gern beibehalten, und wir fordern wiederum dazu auf, Beiträge zur Veröffentlichung einzureichen. Dabei kann so ziemlich alles zum Thema Naturwacht bzw. Natur- und Landschaftspfleger angeboten werden, desto bunter wird das Bild.

Weiterhin wird nach dem dienstältesten Ranger gefragt; inzwischen liegen fünf Meldungen vor, die längste Tätigkeit datiert von 1973.

Unsere Geschäftsführerin, Heike Flemming, war in Südafrika zum dritten Weltkongress der International Ranger Foundation, auf eigene Kosten, nebenbei gesagt. Sie hat einen bewegenden Bericht erstattet, anlässlich des nächsten Naturwacht-Treffens im März 2001 wird sie ihn für alle wiederholen. Dabei merkte sie an, wenn es gut wäre, auf dem nächsten Treffen im Jahr 2003 im Victoria-Nationalpark noch andere deutsche Ranger zu sehen. (Da kann man jetzt schon mit dem Sparen beginnen...)

Sie berichtete abschließend vom Verlauf des Junior-Ranger-Projektes, welches ein großer Erfolg war für die Teilnehmer war und als ein Baustein in der Jugendarbeit zu werten ist.

Die IRF hat einen neuen Präsidenten gewählt. Drei Jahre lang war Gordon Miller (Großbritannien) in dieser Funktion tätig und wird durch Rick Smith abgelöst. Mehr dazu im IRF-Brief.

Das Vorhaben, ein neues Faltblatt für den Bundesverband zu entwickeln, ist noch immer in der Planungsphase, es fehlt an einer geeigneten Person, die auch die Zeit hat, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und den Plan zu einem brauchbaren Arbeitsergebnis führt.

Das Naturwacht-Treffen 2001 findet vom 28. - 30.3.2001 in Schierke im Nationalpark Hochharz statt. Verantwortlich mit der Vorbereitung betraut ist unser Verbandsmitglied Henning Möller, der im Nationalpark als leitender Ranger tätig ist. Die Einladungen dazu ergehen im Januar an Euch.

Beschlüsse:

Das waren die wichtigsten Themen der Vorstandssitzung. Die nächste findet im Rahmen des Naturwacht-Treffens in Schierke statt.

 

Aus den Schutzgebieten


Europäisches Ranger Projekt 2000

Von März bis Juli diesen Jahres wurde im Nationalpark Unteres Odertal, im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und im Naturpark Uckermärkische Seen das "European Youth Ranger Pilot Project" durchgeführt. Es handelt sich hierbei um ein Projekt mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen, selbst Umweltprojekte zu übernehmen, in Zusammenarbeit mit beruflichen Rangern, sie an die Arbeit in und mit der Natur heran zu führen, ihnen für die Zukunft das entsprechende Rüstzeug mitzugeben und ihre Interessen möglicherweise weiter in diese Richtung zu lenken. Es ist vorerst als ein Zweijahresprojekt (1998-2000) geplant, das finanziert wird von der Johann Jakobs Foundation, einer Stiftung, die auf den Bereich Jugend und ihre Zukunft ausgerichtet ist. Die Grundidee entstand im Juni  1997 bei einem Gedankenaustausch über "Jugend, Natur, Kultur und Umwelt" in der Schweiz. Dem folgte ein Treffen von Rangervereinen aus ganz Europa in Losehill Hall im Juli 1997, bei dem weitere Vorschläge zur Durchführung eines solchen Projekts erarbeitet wurden. Der Jugend-Ranger Pilotplan sollte im Januar 2000 beginnen, bis zum Juni dauern und in je drei Bereichen in sieben Ländern durchgeführt werden.

In den drei Großschutzgebieten des Landes Brandenburg begann dieses Projekt Anfang März. Die Jugendlichen wurden den entsprechenden Bereichen der Naturwacht zugeteilt und arbeiteten nach einem strengen Zeitplan (150 Std.) festgelegte Inhalte aus sechs erschiedenen Aufgabenfeldern ab. Schwerpunkte waren das Erlangen von Wissen über die Schutzgebiete, das Sammeln von Erfahrungen in Fragen Kommunikationsfähigkeit (geführte Wanderungen/ Präsentationen), Erkennen von Zusammenhängen Pflanzen-Tiere-Mensch, Besuchersicherheit (Notfälle, Gefahren, Risiken), Prüfung und Überwachung (z.B. Besucherbefragungen, Wegebenutzung) und Teilnahme an praktischen Aufgaben. Von der Naturwacht wurden Betreuer eingesetzt, von denen die Jugendlichen angeleitet, bei ihren Tätigkeiten begleitet und ihre Ergebnisse kontrolliert wurden. Neben der Begleitung der Naturwacht bei ihrer täglichen Aufgabenerfüllung standen für die Jugendlichen interessante aber auch anstrengende Tätigkeiten auf dem Programm, das ging bis hin zu Projekten, die von ihnen übernommen und zum überwiegenden Teil selbstständig ausgeführt wurden. Als Beispiele seien hier nur einige Wesentliche genannt: Betreuung von Amphibienzäunen, Teilnahme an Großveranstaltungen, Standbetreuungen, Teilnahme an Bestandserfassungen und Monitorings, Gestaltung von Lehrpfaden, Mitarbeit in einem Kräutergarten, bis hin zu einem eigenständigen Projekt "Templiner Kanalwiesen".

Abschließend kam der ersehnte Lohn: eine einwöchige Reise in den PEAK Nationalpark in Mittelengland. Hier trafen die Teilnehmer des Projektes aus sieben verschieden europäischen Ländern zu einem regen Erfahrungsaustausch zusammen, der für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis war. Einzelheiten darüber könnt Ihr in der Sonderausgabe NaturSchutzFonds Intern (Brandenburg) nachlesen (033393/ 6830).

Detlev Streuber, Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

 

Vorstellung des Juniorranger-Abzeichens des BR Spreewald

Angeregt, im Biosphärenreservat Spreewald ein Juniorranger-Abzeichen zu entwickeln, wurden wir durch den Pass der Naturwacht-Jugend im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Dieses Konzept schien uns genau das Richtige, um der Umweltbildung in unserem Schutzgebiet neue Impulse zu verleihen und sie zu bereichern. Und die Zeit dafür war reif, nachdem sich unsere festen Arbeitsgemeinschaften Storchenkinder und Juniorranger an vier Stützpunkten bzw. in den Außenstellen etabliert hatten und viele Kinder schon über Jahre dabei waren oder sind. Hinzu kam, dass die von der Allianz Umweltstiftung geförderten Arbeitsgemeinschaften zwar für die teilnehmenden heimischen Kinder ein tolles Angebot sind, andere Mädchen und Jungen, besonders von außerhalb, bislang aber weniger gut erreicht werden konnten.

Nicht zuletzt hatten wir immer wieder beobachten müssen, dass wir bei vielen Gruppen, besonders in den drei Schullandheimen im Spreewald, zwar gern gesehene Veranstaltungs“durchführer“ waren, dies aber vor allem, weil es so schön bequem war. Man hatte sich daran gewöhnt, dass wir - am besten als kurzfristig einspringende Lückenfüller oder Wandertagsgestalter - Programme entwickelten, vorbereiteten und durchführten. Die Lehrer brauchten sich selbst nicht mehr anzustrengen, (geistige) Vorarbeit entfiel und dennoch hatte man schöne Höhepunkte mit den Kindern. Und genau hier setzten wir an! Die Lehrer/innen und anderen Gruppenbetreuer/innen sollten gefordert und schon vorab einbezogen werden.

Voraussetzung einer Teilnahme am Junior-Ranger-Parcours ist deshalb eine gewisse Vorbereitung. Die Lehrer bzw. Gruppenbetreuer erhalten nach der Anmeldung ein Exemplar der Unterlagen für das Junior-Ranger-Abzeichen und sollen damit die Kinder auf die Aufgaben einstimmen. Neu ist auch, dass wir für den Junior-Ranger-Parcours 3 bis 4 Stunden benötigen, an einen Schnell-mal-nebenbei-Durchlauf ist nicht zu denken. Aber die Zeit vergeht immer so schnell, dass selbst die Kinder staunen.

Für das Junior-Ranger-Abzeichen sind 10 Aufgaben zu lösen. Eine Mindestpunktzahl gibt es nicht, es liegt ja an uns, wie wir den Kindern das Wissen vermitteln. Ziel ist es, dass alle Kinder das Abzeichen erhalten. Mit Superpunkten werden außerdem Disziplin und gegenseitige Rücksichtnahme gewertet. Diese Superpunkte wollte bisher noch jedes Kind vollständig erreichen, damit kehrt von ganz allein Ruhe und Konzentration in die Gruppen ein.

Das Angebot ist so konzipiert, dass es an sehr vielen Orten im Schutzgebiet als Parcours aufgebaut, aber auch in kleineren Gruppen als Wanderung durchgeführt werden kann. Die notwendige Ausrüstung, z.B. Rucksäcke, Ferngläser, Lupen, Bestimmungsbücher, stammt aus der Ausstattung unserer Arbeitsgemeinschaften, die so noch effektiver genutzt wird. Eine Schutzgebühr von 2,00 DM pro Heft und Abzeichen erzieht zur Wertschätzung der ausgereichten Materialien und trägt nach unserer Erfahrung gleichzeitig zu einer höheren „In-Wert-Setzung“ unseres Angebots schlechthin bei.

Am Tag der Parke im Mai 2000 haben wir unser neues Projekt, das mit über 12.000,00 DM vollständig von der Allianz Umweltstiftung finanziert wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt und konnten den ersten Kindern das Abzeichen und den Pass sowie einen Aufkleber überreichen. Inzwischen wurden Veranstaltungen dieser Art sogar schon in englischer und auch in polnischer Sprache durchgeführt. 

Wer Interesse hat, Juniorranger-Pass, Abzeichen sowie Aufkleber von uns zugeschickt zu bekommen, sende uns bitte einen adressierten und frankierten A5-Umschlag zu.

Kontaktadresse:

Biosphärenreservat Spreewald

z.H. A. Schäfer

Schulstr. 09

03222 Lübbenau

Tel./Fax: 03542/8921-15,-40

Annett Schäfer

 

IRF-Neuigkeiten


Welche Rolle spielen die Ranger im weltweiten Maßstab?

Im September 2000 fand im bekannten Krüger Nationalpark in Südafrika der bereits 3.Weltkongress der IRF statt. Welche Rolle die Ranger im Weltgefüge, im Ringen um den Erhalt der Natur und Kultur, spielen, was sie darstellen und wo Defizite in ihrer Wirksamkeit liegen - das sollte auf dem sieben Tage währenden Kongress herausgearbeitet werden. Ein Thema, das uns, oder mir eigentlich ganz klar erscheint. Und doch war es interessant, den Blick über den Tellerrand wieder einmal hautnah erleben zu dürfen. 300 Teilnehmer aus 58 Ländern trafen sich zu einem intensiven Gedanken-, Meinungs- und Erfahrungsaustausch.

In Workshops wurden Schwerpunkte herausgearbeitet z.B. in Bezug auf die Aufgaben der Ranger, die Mittler an der Basis, den Umgang mit den Kommunen, die Entwicklung von Ökotourismus und die Förderung der jeweiligen Gebietsintegrität. Erhebliche Unterschiede bestehen in der beruflichen Anerkennung der Ranger (ein uns nicht ganz unbekanntes Thema), den Ausbildungsstandards und auch den Tätigkeitsinhalten. Mit dem mitteleuropäischen Blick, durchaus nicht zufrieden mit dem in Deutschland erreichten Kompromissstatus und der unbefriedigenden Stellensituation, nahm ich die gewissenhafte Auseinandersetzung mit den Themen durch die Mitgliederverbände u.a. aus den afrikanischen und südamerikanischen Ländern wahr. Trotz ihrer wirklich anderen Situation mit zum Teil persönlichen Nöten wie fehlende Entlohnung, Ausrüstung, Gefahren, Bürgerkriege u.ä. können wir von ihrem Enthusiasmus, von ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem Willen, den Beruf des Rangers in ihren Ländern zu stärken und inhaltliches Maß zu geben, einiges lernen. Mich hat die Begegnung mit diesen Kollegen wirklich stark beeindruckt. Und die eine oder andere Erfahrung von uns wird sicher auch nicht ungehört geblieben sein. Die Inhalte könnt Ihr im Bericht genauer nachlesen  (volle englische Version bitte bei Bedarf bei mir anfordern, HF).

Nicht zu vergessen, der Vorstand der IRF wurde neu gewählt. Mit bewegenden Worten  bedankte sich der scheidende Präsident Gordon Miller für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und die geleistete Arbeit . Als neuer Präsident wurde Rick Smith gewählt, ein langjähriger und treuer Begleiter von Gordon als Vize-Präsident und ein würdiger Nachfolger. Mike Marshall hat seine Geschäfte als Schatzmeister in die guten Hände von Colin Dilcock gelegt, der Schatzmeistererfahrungen im englischen Rangerverband mit in seine neue Funktion einbringt. Als Vize-Präsident wurde Juan Carlos Gambarotta aus Uruguay gewählt, einer der gestandenen Ranger von Südamerika, bis dato der einzige in Uruguay. Juan Carlos wurde mit einer auf diesem Kongress erstmals vergebenen Auszeichnung für sein Engagement geehrt.

Neben all dem offiziellen Kongress-Geschehen, in den Pausen, an den Abenden und auch in den frühen Morgenstunden gab es für die Teilnehmer ein intensives Afrika-Programm: in morgendlichen und abendlichen Touren in den Park und während einer Ganztagesexkursion bewunderten wir die afrikanische Tier- und Pflanzenwelt: schon hinter dem ersten Tor saß die Hyäne lauernd am Wegesrand, die Giraffenhälse überragten die Baumkronen, Impalas entfernten sich in rasendem Lauf. Später dann das Erlebnis mit den Elefanten und Nashörnern (Ich kann jetzt die Breitmaul- und Spitzmaulnashörner an ihrem Dung unterscheiden!) und den meine Schuhsohle durchbohrenden Dorn eines Baumes, dessen Blätter die Giraffen als Nahrungsquelle bevorzugen.

An den Abenden gab es täglich traditionelle Tänze und Gesänge zu bewundern und in lauen Abendwinden auf offenem Feuer zubereitete Speisen zu probieren. Dazu die Gespräche und teilweise spontanen Darbietungen von den Länderverbänden. Da fehlte nicht der nordamerikanische Ländler und nicht der von den Schotten dargebotene Rundtanz oder Gesänge aus den verschiedensten Ländern, Spagetti al dente aus Italien (Welch ein Unterschied!) . Selbst der Sportteil wurde begleitet durch die schrillen Gesänge der Familien der afrikanischen Angestellten auf einem mitten im Park gelegenen Fußballfeld (ohne Zaun): Krügerpark Ranger gegen Ranger International. Es war wie auf einer Familienfeier: viele bekannte Gesichter, viele neue Gesichter. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Im Jahr 2003 wird der 4. Weltkongress der IRF in Australien stattfinden. Ich wünsche mir, dass der eine oder andere Kollege von unserem Verband sich entschließt, mit dabei zu sein. Ich spare schon mal.

Mit besten Grüßen von den Kollegen aus aller Welt

Heike Flemming

 

Wortmeldungen


GNL – ein Beruf zum Knutschen?

Bei mir erhärtet sich mehr und mehr der Eindruck, mit der neuen Fortbildung zum „geprüften Natur- und Landschaftspfleger“ ist ein Kind in die Welt gesetzt worden, welches (noch) niemand haben möchte. Die Idee zu dieser Fortbildung ist einsame Spitze. Doch das Ziel, welches die Idee verfolgt, ist ein Traum. Und ein Albtraum ist er für diejenigen geworden, die diesen Lehrgang abgeschlossen haben und sich hoffnungsvoll eine neue berufliche Zukunft aufbauen möchten.

Mir ist vollkommen klar, dass die Anbieter dieser Fortbildung solche Worte nicht gerne hören, aber so ist es nun mal. Dies sind Tatsachen. Ist doch schon soviel Tatkraft und Energie in den Ausbau und die Umsetzung der Fortbildungsverordnung hineingepowert worden. Ein neues Produkt tut sich anfangs auf dem Markt immer schwer, das ist klar. Dabei gibt es den Fachwirt für N+L schon seit 1992. Eine ähnliche Ausbildung zum Behörden- und Betriebsassistenten mit Schwerpunkt Umweltschutz und Landschaftspflege in Freudenstadt ist kläglich gescheitert. Die Abgänger haben einfach keine Jobs bekommen!

Warum wird hier also viel menschliche Energie eingesetzt, um eine Figur zu kneten, die schlecht zu vertickern ist? Als erfolgreich abgeschlossener Prüfling fühlt man sich wie ein Versuchskarnickel. Ich weiß, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine dastehe! Uns wurde/ wird das Wasser im Munde schmackhaft gemacht, wir hätten nach dem Abschluss tolle Berufschancen.

Z. B. in der Dezemberausgabe `99 von „Naturschutzblätter“:

Hier muss ich korrigieren: Die Verteilung sieht genau umgekehrt aus! Es besteht mit Sicherheit Bedarf, aber die „Kohle“ für neue Mitarbeiter fehlt. Tatsachen sind:

Tja, so sieht die Praxis aus, so ganz nackich, ohne Wunschdenken und theoretische Blase im Kopf.

Eine Ungerechtigkeit sind auch die unterschiedlichen Teilnahmegebühren der einzelnen Anbieter. Zwischen 1500 DM bis mind. 4500 DM darf man entscheiden. Ach ja, bei so einem schönen Sümmchen muss man seine Fortbildungsveranstaltung ja anpreisen und schönreden. Und bis wir „Naturschützer“ uns endlich alle mal einig sind, ist die Welt eh' schon lange untergegangen.

Wie war doch noch einmal die Antwort auf eine meiner Fragen, wie es beruflich nach der Fortbildung weitergehen soll, wo doch kaum freie Stellen vorhanden sind? „Jeder muss selber sehen, wo er bleibt.“ So ist es. Und so wird es auch uns Naturfreunden gehen, wenn wir so weitermachen wie bisher. Dann werden wir schon sehen, wo wir bleiben.

So, ich hoffe auf Verständnis für meine kritischen Äußerungen und danke dem Leser für die Aufmerksamkeit! Was haben wir alle denn schon zu verlieren? Also, pack’n mer’s an! Und wie schon mein Lehrgangskollege Kai H. zu sagen pflegt(e): „Besondere Ziele erfordern besondere Taten“.

Euer Georg Körber aus Breidenbach

 

„Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt“

Erster Bericht vom 3. Weiterbildungslehrgang „Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger“ in Mecklenburg-Vorpommern

Schon mal was vom mittleren Geolitoral, Hygrotropismus, Saprophagie oder oligosaprob gehört? Ganz zu schweigen von progressiver Muskelrelaxation, Metapherassoziation oder der Berechnung von Grenzstückkosten... Keine Angst, wir haben uns nicht an der Uni Rostock einschreiben lassen, sondern „nur“ an der „Überbetrieblichen Ausbildungsstätte Klueß“ bei Güstrow, wo wir die Herausforderung angenommen haben, den Fortbildungslehrgang zur Vorbereitung auf die Prüfung zum anerkannten Abschluss „Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger“ zu belegen. Mit uns kämpfen dort 13 weitere Kollegen aus unserem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit der Hoffnung, diese Herausforderung zu bestehen. Eine Herausforderung ist es tatsächlich, denn der Wechsel vom Arbeitsplatz in der freien Natur zur Schulbank mit dem Holzhammer über dem Köpfen schwebend, gleicht einem 8-Stunden-Saunabesuch in Wattejacke! Gerüchten zufolge sollen die ersten Lehrgangsteilnehmer bereits Ärzte aufgesucht haben, um sich Schwielenbehandlungen an den hinteren Extremitäten zu unterziehen. Denn 8 Stunden anspruchsvoller Unterricht sind es tatsächlich, denen wir uns hier täglich stellen. Aufgelockert wird dies aber durch Exkursionen und praktische Arbeiten beim Bau von Besuchereinrichtungen. Dort bringen wir uns natürlich sehr intensiv ein, da diese Abwechslungen eine willkommene Möglichkeit darstellen, den Kopf mal wieder freizubekommen und andere Körperteile zu fordern. Denn am nächsten Tag geht es sofort wieder in den Klassenraum, um uns dort mit den Rätseln von Kalkulation, Kommunikation und Landschaftsökologie zu befassen. Am Anfang waren das „böhmische Wälder“ für uns, doch allmählich verläuft der Unterricht zunehmend flüssiger und interessanter. Jeder von uns versteht es mittlerweile, mit seinen Meinungen und Erfahrungen den Unterricht aktiv mitzugestalten. Denn immerhin handelt es sich bei unserem Team um durchweg motivierte und erfahrene Kollegen, die sich durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren für diese Weiterbildungsmaßnahme qualifizieren konnten. Finanziert wird die einjährige Weiterbildung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, das auch die Unterkunft und Vollverpflegung unentgeltlich bereitstellt! Der Lehrgang hat einen Umfang von 22 Unterrichtswochen plus Zwischenpraktika und anschließendem Komplexpraktikum. Im September und Oktober schließen sich dann die Prüfungen an, denen wir dann hoffentlich nach dieser intensiven Vorbereitung nicht mit weichen, zitternden Knien entgegengehen werden!

Aber wie wir Ranger nun mal sind, treten wir Herausforderungen zwar mit der nötigen Entschlossenheit und Mut entgegen, doch wir wissen auch, dass der Tag nicht aus Lernen alleine besteht. Und so freuen wir uns z.B. jeden Dienstag aufs Güstrower Spaßbad mit allen Annehmlichkeiten, die sich uns dort offenbaren. Denn auch bei einem für uns so wichtigen Lehrgang sollte der Spaß des Lebens nicht vergessen werden!

In diesem Sinne wünschen wir allen jetzt aktiven und noch kommenden Teilnehmern des Lehrgangs in ganz Deutschland viel Erfolg!

Ronald Gipp (Müritz-Nationalpark)

Carsten Wagner (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft)

...anschließender Dialog:

„Ronald? Ist der Hopfenblütentee schon fertig?“

„Ja, Carsten. Hast du die Tassen schon gekühlt?“

 „Na dann – Prost!

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Redaktion:       Heike Flemming, Beate Blahy

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